Drei Stellen, an denen Glas beschlägt, und was sie uns sagen
Wenn ein Fenster beschlägt, lautet die erste Frage: Ist das Glas defekt? Die Antwort hängt davon ab, wo sich die Feuchtigkeit niederschlägt. Nur eine der drei Stellen ist ein echter Mangel.
Schauen Sie zuerst, wo die Feuchtigkeit sitzt
Beschlagenes Glas heißt nicht immer, dass etwas nicht stimmt. Feuchtigkeit kann sich außen, zwischen den Scheiben oder innen auf der Raumseite bilden. Jede Stelle bedeutet etwas anderes, und nur eine davon ist ein Mangel am Glas.
Die Glasoberflächen werden von außen nach innen gezählt. Bei Dreifach-Isolierglas sind das die Positionen 1 bis 6: Position 1 ist die Außenseite, Position 6 die Raumseite, und die Positionen 2 bis 5 liegen im Inneren des Isolierglases.
Position 1 · außen, am Morgen: Das Glas dämmt gut
Gutes Isolierglas hält die Wärme im Raum, deshalb bleibt die Außenscheibe so kalt wie die Luft draußen. Morgens, nach einer klaren und feuchten Nacht, bildet sich darauf Tau, wie auf dem Rasen oder auf dem Auto.
Am häufigsten kommt das im Frühjahr und im Herbst vor, bei Dreifach-Isolierglas und bei Dachfenstern. Der Tau verschwindet von selbst, sobald die Sonne die Luft erwärmt.
Beim Nachbarn mit alten Fenstern sieht man das nicht, weil durch sein Glas Wärme entweicht und die Scheibe erwärmt. Tau auf der Außenseite beweist eine gute Wärmedämmung und ist kein Mangel.

Tau auf der Außenseite eines Dreifach-Isolierglases, an einem Wintermorgen. Am Rand, wo über den Rahmen etwas Wärme nach außen dringt, bleibt das Glas klar. Tau außen bedeutet: Die Wärme bleibt drinnen.
Positionen 2 bis 5 · zwischen den Scheiben: Das ist ein Mangel
Isolierglas ist dicht verschlossen und mit trockener Luft oder Gas gefüllt. Feuchtigkeit zwischen den Scheiben bedeutet, dass der Randverbund undicht geworden ist oder das Trockenmittel im Abstandhalter keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen kann.
Bei Dreifach-Isolierglas ist jeder der beiden Scheibenzwischenräume für sich abgedichtet, die Feuchtigkeit kann also in jedem von ihnen auftreten. Sie schlägt sich auf der kälteren Scheibe des Zwischenraums nieder: im Winter auf Position 2 oder 4, und wenn es innen kälter ist als außen (im Sommer, bei laufender Klimaanlage), auf Position 3 oder 5.
Sie lässt sich von keiner Seite abwischen und verschwindet nicht von selbst. Das kommt heute selten vor, aber wenn doch, wird die Scheibe ausgetauscht.
Die häufigsten Ursachen sind stehendes Wasser im Glasfalz und essigsauer vernetzendes Silikon am Rand. Mehr dazu im Beitrag Isolierglas: Einbau, Dichtstoffe und Lagerung.
Position 6 · innen: zu viel Feuchtigkeit im Raum
Warme, feuchte Raumluft trifft auf die kältere Scheibe und hinterlässt darauf Tröpfchen, wie auf einer Flasche aus dem Kühlschrank.
Bei heutigem Isolierglas ist das selten. In einem Raum mit 20 °C und 50 % Luftfeuchte beschlägt eine alte Einfachverglasung schon bei +9 °C Außentemperatur, Isolierglas mit Ug 1,1 erst bei −48 °C draußen, also praktisch nie.
Beschlägt neues Isolierglas trotzdem von innen, liegt die Ursache in der Raumfeuchte: Kochen, Wäschetrocknen, Bad, Schwimmbad oder ein Neubau, in dem im ersten Winter Putz und Estrich austrocknen. Am Glas liegt es nicht.
Wenn es innen auf Position 6 beschlägt: Was hilft
Stoßlüften: das Fenster einige Minuten weit öffnen, mehrmals am Tag. Ein dauernd gekipptes Fenster kühlt die Wand aus, bringt die Feuchtigkeit aber nicht hinaus.
Die Luft muss ans Glas kommen. Ein Vorhang, ein Rollo oder eine tiefe Fensterbank, die die Scheibe abdeckt, hält sie kälter, sodass sie früher beschlägt.
Der Glasrand ist die kälteste Stelle. Beschlägt die Scheibe nur am unteren Rand, liegt das am kalten Glasrand. Eine Warme Kante (Abstandhalter aus Kunststoff statt Aluminium) hält ihn wärmer. Mehr dazu im Glossar unter Ψ.
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